Berichte zum Oberflächenwassermanagement

Die Bilder wurden uns unter anderem von Dr. Ulrich Mäck (ARGE Donaumoos) zur Verfügung gestellt.

Endbericht „Oberflächenwassermanagement“

"Nachhaltige Sicherung und Inwertsetzung des württembergischen Donaurieds unter Berücksichtigung unterschiedlicher Nutzungsinteressen"

Projektlaufzeit: 01.01.2009 – 31.12.2010

Projekt „Oberflächenwassermanagement“

Seit Beginn dieses Jahres wird das Projekt Oberflächenwassermanagement des Wasser- und Bodenverbands durchgeführt. Bisher wurden sowohl Erwartungen an das Projekt, als auch eine Bewertung der Ist-Situation und mögliche Soll-Zustände von den Akteuren erhoben. Im weiteren Verlauf  des Projekts werden bisher unbekannte Daten ermittelt, die für das weitere Vorgehen grundlegend sind. Derzeit wird ein Versuch zur Ermittlung der seitlichen Reichweite von Gräben durchgeführt, um die Frage von Landwirten zu beantworten, wie weit ein Graben in die Fläche hineinwirkt. Im Rahmen des Versuchs wurden am 1. April zehn Messstellen im Bereich des Hauptgraben V (oder auch Ramminger Grenzgraben bzw. Schottgraben) erstellt. Im Laufe der Kalenderwoche 15 wird in Abstimmung mit dem Landratsamt und mit den Projektbeteiligten ein Abschnitt dieses Grabens vom Wasser- und Bodenverband geräumt, um den Einfluss eines geräumten Grabens auf den Flurabstand auf der Fläche zu ermitteln. Ein ungeräumter Referenzabschnitt wird ebenfalls untersucht, so dass auch eine Aussage über die Wirkung der Grabenräumung gemacht werden kann. Für weitere Informationen steht Ihnen die Projektleitung (Frau Betz) unter 0711-2175-1373 zur Verfügung.



Pressemitteilung an die Gemeindeblätter Langenau, Asselfingen und Rammingen

Das Projekt „Oberflächenwassermanagement“ des Wasser- und Bodenverbands Donauried ist mit Volldampf gestartet. In den ersten beiden Monaten wurden alle Akteure (Landwirte, Naturschützer, kommunale Vertreter, Wasserwirtschaft) über das Projekt informiert. Bei allen wurde von der Projektleitung die derzeitige Ist-Situation zum Oberflächenwasserhaushalt im Ried abgefragt. Dabei zeigte sich, dass der Wasserabfluß aus dem Gebiet in Jahren mit mittleren und hohen Grundwasserständen nicht immer gewährleistet werden kann. Als  Hauptgründe wurden genannt: eine nicht ausreichende Drainagewirkung von Gräben, die zu schwache Grundwasserförderung der Landeswasserversorgung und Biberdämme. Dadurch entstehen Vernässungen, die oft zu erheblichen Mehraufwendungen und Ertragsausfällen bei Landwirten führen.
Auf der anderen Seite sind diese Wasserflächen für Brut-, Zug- und Rastvögel anziehend. Im Donauried ist ein großes Vogelschutzgebiet von europäischer Bedeutung ausgewiesen, in dem künftige Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung der Vogelwelt zu ergreifen sind.
An folgenden konkreten Maßnahmen wird derzeit gearbeitet:

  • Im Donauried werden demnächst die Bildung und Rückbildung von  Vernässungsflächen im Abstand von 2 Wochen kartiert.
  • Von den Akteuren werden Karten erstellt, auf denen Bereiche und Punkte mit Konfliktpotenzial und Handlungsbedarf dargestellt sind.
  • Die Akteure sollen Maßnahmen formulieren, die aus ihrer Sicht zu einer optimalen Wunschsituation im Donauried führen.
  • Es wird bereits an einer Homepage gearbeitet, auf der das Projekt mit allen wesentlichen Informationen präsentiert wird. Die Seite wird über die Homepage des Verwaltungsverbands Langenau zu erreichen sein.

Die Einbeziehung der Öffentlichkeit ist ausdrücklich erwünscht. Wenn Sie also Fragen oder Anregungen haben, kontaktieren Sie bitte die Projektleitung:

Projektträger: Projektmanagement:
Wasser- und Bodenverband
Geschäftsführer Herr Nusser
Tel.: 07345 / 9640-500
Theodor.Nusser@Vv-Langenau.de
ZV Landeswasserversorgung
Frau T. Betz
Tel.: 0711 / 2175-1373
Betz.T@LW-online.de


Platz für Bekassine und Bauern

Auftakt für Oberflächen-Management im Donauried – Info-Veranstaltungen sollen folgen
Im Langenauer Donauried soll ein 300 000 Euro teures Projekt Landwirtschaft, Naturschutz und Trinkwasserförderung versöhnen. Bereits die Auftakt-Veranstaltung zeigte: Es geht um die Quadratur des Kreises. KURT FAHRNER

Langenau. Bekassinen mögen es gern feucht und schlammig. Ihre Nahrung finden die Schnepfenvögel in Feuchtwiesen und Marschen, wo sie geduldig durch Pfützen waten und mit dem Schnabel Larven oder Pflanzenteile aufstöbern. Weil aber Feuchtgebiete seit Jahrhunderten systematisch trockengelegt werden, geht den Bekassinen immer mehr Lebensraum verloren. In Deutschland gilt der Vogel als vom Aussterben bedroht.

Im Langenauer Donauried leben derzeit etwa 40 Brutpaare der seltenen Vögel. Doch was für die Bekassine gut ist, macht der Landwirtschaft Probleme: Seit Jahrzehnten klagen Bauern über unter Wasser stehende Felder und Wiesen, die eine Bewirtschaftung zum Teil unmöglich machen. Biberbauten an den Entwässerungsgräben haben das Problem in den vergangenen Jahren verschärft. Gleichzeitig ist das Donauried ein streng geschütztes Reservoir, aus dem die Landeswasserversorgung riesige Mengen an Trinkwasser gewinnt. Auch das bringt viele Einschränkungen für die Landwirte mit sich.

In diesem Spannungsfeld bewegt sich ein Projekt, das nun für alle Seiten Verbesserungen bringen soll. Mit einem Kostenaufwand von rund 300 000 Euro, gefördert aus dem EU-„Leader“-Programm, soll unter Federführung des Wasser- und Bodenverbands und der Landeswasserversorgung ein Konzept zum „Oberflächenwasser-Management“ erarbeitet werden – und Lösungswege ergeben, mit denen die Konflikte ausgeräumt werden können. Es gilt für rund 35 Hektar im Grenzgebiet zu Bayern, betroffen sind die Gemarkungen Langenau, Asselfingen und Rammingen.

Doch schon bei der Auftaktveranstaltung, zu der Vertreter aller Beteiligten geladen waren, wurde klar, dass es nicht leicht wird, die Interessen unter einen Hut zu bekommen. An einer Pinnwand hatten Interessenvertreter ihre Erwartungen ans Projekt geheftet.

Von landwirtschaftlicher Seite wird gefordert, dass die Erträge aus den Riedflächen gewährleistet werden sollen. Damit die Flächen dort bearbeitet werden können, müssten Vernässungen so weit vermieden werden, dass Wiesen und Felder befahrbar werden. Deshalb müsse der Wasserfluss im Grabensystem gewährleistet sein – was sich mit Biber-Aktivitäten beißt.

Naturschützer hingegen verlangen ein globales „Verschlechterungsverbot“. Das Leitbild des Donaurieds als Öko-System für Flora und Fauna solle weiterentwickelt werden, Schutzbestimmungen (inklusive derer für die Biber) dürften nicht in Frage gestellt werden. Darüber hinaus seien Pufferzonen zur Landwirtschaft ebenso sinnvoll wie ein Biotop-Verbund.

Die Landeswasserversorgung pocht auf den Erhalt der Wasserqualität im Donauried und auf die Ausweisung von Schutzzonen.

Von Verwaltungsseite wurde verlangt, dass sich alle Beteiligten mit der Zielsetzung des Projekts identifizieren, damit später auch eine Umsetzung garantiert ist.

Die Diskussion in der Auftaktveranstaltung verlief sachlich. Als denkbar wurden Flächenverschiebungen zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und Naturschutz erachtet. Auch die umstrittene geplante neue Abgrenzung des Wasserschutzgebiets geriet ins Visier.

Nun sollen an alle Beteiligten Fragebögen ausgegeben werden. Außerdem sollen verschiedene Informationsveranstaltungen, vor allem für Landwirte, stattfinden. Ein Arbeitskreis soll zudem den laufenden Meinungsaustausch zwischen den Beteiligten und den Behörden sicherstellen.

FAHRNER_KURT

Quelle:
Verlag: SÜDWEST PRESSE, Ulm
Publikation: SÜDWEST PRESSE - Illertal Bote
Ausgabe: Nr.21
Datum: Dienstag, den 27. Januar 2009
Seite: Nr.16
"Deep-Link"-Referenznummer: '6374813'
Präsentiert durch NPG-Archiv © 2009 SÜDWEST PRESSE



Weniger Ertrag im Ried
Bauern kritisieren LW wegen Vernässung ihrer Felder

Die Asselfinger und Ramminger Bauern fordern weniger vernässte Flächen im Donauried. Sie äußerten ihre Vorstellungen bei einer Veranstaltung im Rahmen des „Oberflächenwasser Managements“.
KURT FAHRNER

Asselfingen/Rammingen. Die Landwirte aus Asselfingen und Rammingen hielten mit ihrerMeinung nicht hinterm Berg. In einem Projekt des Landes mit dem Namen „Oberflächenwasser Management“, das in diesem Jahr begonnen wurde, soll versucht werden, im Donauried die Interessen von Landwirten, Naturschutz und Landeswasserversorgung (LW) unter einen Hut zu bekommen. Dazu fand jetzt eine Informationsveranstaltung mit der Landeswasserversorgung statt. Den Landwirten ging es dabei um eine vernünftige Nutzung ihrer Flächen im Moos, einem rund 1100 Hektar großen Bereich innerhalb des Donaumooses. Der Landwirtschaft müsse der gleiche Stellenwert eingeräumt werden wie dem Naturschutz und der Wasserversorgung, lautete eine pauschale Forderung. Doch die Landwirte wurden auch konkreter.Die zunehmende Vernässung ihrer Felder sei nicht weiter hinzunehmen, da der Ertrag deutlich geringer sei.

Gefordert wurde als Bestandteil des Projekts die Wiederinbetriebnahme der Fassung IV durch die Landeswasserversorgung. Als im Mai vergangenen Jahres die Fassung mit 150 Sekundenlitern und im September/Oktober mit 130 Sekundenlitern vorübergehend gepumpt habe, sei die Vernässung deutlich zurückgegangen, schilderten Bauern. Dr. Martin Emmet, der zusammen mit der Diplom- Ingenieurin Theresia Betz die Landeswasserversorgung vertrat, bestätigte diesen Eindruck. Er räumte ein, dass die Landeswasserversorgung mitverantwortlich sei für Wasserstände im Donauried. „Sie sind der erste, der dies von der Landeswasserversorgung zugibt“, lautete die Antwort des Asselfinger Landwirts Helmut Preis. Sein Berufskollege Martin Frank meinte, die LW habe nicht nur ein Wasserentnahmerecht, sondern eine Wasserentnahmepflicht. Eine weitere Forderung der Landwirte war die nach einem funktionierenden Grabensystem, um Vernässungen zu verhindern. Dazu sei eine Kartierung der vorhandenen Gräben erforderlich. Gräben müssten auch regelmäßig gereinigt und gegebenenfalls vertieft werden.

Reinhold Schmid vom Wasser- und Bodenverband sagte, dass dies ohne rechtliche Regelungen nicht möglich sei, die im Projekt aber vorbereitet werden können. Auch der Biber macht den Landwirten zu schaffen. Denn der Landesgrenzgraben habe dank der Arbeit des Bibers seine Funktion als Wasserablauf fast gänzlich verloren. Während der Population auf bayerischer Seite bereits Einhalt geboten werde, sei auf württembergischer Seite ein absoluter Schutz der Tiere vorgeschrieben. „Das kann so nicht bleiben“, sagte der Asselfinger Bauernobmann Hans Birzele. Angedacht wurde, dem Landesgrenzgraben einen Parallelgraben beizufügen, der samt Quergräben ein besseres Abfließen des Wasser garantieren würde. Damit würde das Gebiet auch für den Biber unattraktiver. Durch gezielte Umsiedlungen sollte zudem die Zahl der Tiere verringert werden.

Breiten Raum nahm auch die Frage eines Flächentauschs ein. „Wir können größenmäßig nicht auf Fläche verzichten, wenn wir auf Dauer bestehen wollen“, sagte Rammingens Bauernobmann Hans-Jörg Steck. Wo aber ein Flächentausch möglich sei, werde sich die Landwirtschaft nicht verschließen, man wolle aber einen angemessenen Ausgleich. Werner Vogel vom Landratsamt Alb-Donau schlug dazu vor, die Richtlinien der Flurbereinigung heranzuziehen.


Region.  Schlichtung im Langenauer Donauried: Ab 2011 soll ein Landschaftspflegemanager die Vorschläge zur besseren Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Umweltschutz in dem Gebiet koordinieren.

Zehn Entwässerungsgräben werden reaktiviert, Biberdämme sollen entfernt werden können und neue Biotope entstehen. Dies sind nur einige der Maßnahmen, die Landwirtschaft, Naturschutz und Landeswasserversorgung im Langenauer Donauried wieder zusammenbringen sollen. Das 3300 Hektar große Ried galt in den vergangenen Jahren als großer Zankapfel zwischen Landwirtschaft, Umweltschutz und Wasserwirtschaft. Die einen wollten ihre Felder bewirtschaften, die nächsten Flora und Fauna schützen und die Landeswasserversorgung sorgte sich um die Belastung des Trinkwassers.

Fakten auf den Tisch und die Debatte versachlichen. Mit diesem Anspruch ging das Projekt zum Oberflächenwasser-Management im Langenauer Donaumoos Anfang 2009 an die Arbeit. Ziel war die Untersuchung des Gebiets und die Klärung der zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Wasserwirtschaft strittigen Fragen. Zunächst mussten die drei Akteure, die sich mit teils gegensätzlichen Vorstellungen im Langenauer Donauried engagieren, wieder an einen Tisch gebracht werden. "Mit der Untersuchung und dem erarbeiteten Maßnahmenkatalog konnten wir die Debatte jetzt auf eine sachliche Ebene bringen", sagte Projektleiter Martin Emmert vom Zweckverband Landeswasserversorgung in Stuttgart.

Emmert und seine Kollegin Theresa Betz hatten in den vergangenen zwei Jahren das Projekt wissenschaftlich betreut. Finanziert wurde das 320 000 Euro teure Projekt von der Europäischen Union, den Gemeinden Langenau, Rammingen und Asselfingen, dem Wasser- und Bodenverband Donauried und der Landeswasserversorgung. Geistiger Vater und Motor der Untersuchung war Theodor Nusser, Chef des Verwaltungsverbands Langenau. 2004 und 2005 habe das Problem der überschwemmten Felder überhandgenommen, gleichzeitig sei das Biberthema immer akuter geworden, sagte Nusser. "Es musste also etwas geschehen." 2007 startete der Verwaltungsverband mit der Konzeption des Projekts "Nachhaltige Sicherung und Inwertsetzung des württembergischen Donaurieds unter Berücksichtigung unterschiedlicher Nutzungsinteressen", so der etwas sperrige Titel der Untersuchung, die jetzt vorgestellt wurde.

Die wichtigsten Maßnahmen, die sowohl der Landwirtschaft, als auch dem Umweltschutz und der Landeswasserversorgung direkt oder indirekt zugutekommen sollen, sind:

Durch den hohen Grundwasserspiegel, der an vielen Stellen im Donauried knapp unter der Erdoberfläche liegt, sind Felder immer wieder von Überschwemmungen ("Verwässerung") bedroht. Die 60 Entwässerungsgräben konnten das Wasser nicht abführen, da entweder Biber ihre Dämme gebaut hatten, oder die Gräben nicht gepflegt wurden. Die Projektbeteiligten einigten sich, die Gräben regelmäßig zu pflegen und zehn stillgelegte Stichgräben wieder zu reaktivieren. Um einen Überblick über die Gräben zu erhalten, wurde eigens ein Grabenhandbuch angelegt.

Mit der Pflege der Gräben kommt der Biber ins Spiel, der durch seine Dämme einige der Gräben nahezu unbrauchbar gemacht hatte. In enger Abstimmung mit dem Bibermanager wurden die einzelnen Wassergräben in Wohnreviere, Fraßreviere und freie Bereiche eingeteilt, um für alle Beteiligte Klarheit zu schaffen. In den Wohnrevieren des Bibers ist ein Eingriff nicht gestattet, in den biberfreien Bereichen hingegen sollen Dämme entfernt werden, um das Abfließen des Wassers zu gewährleisten.

An den Ufern der Gräben und den Seitenstreifen der Wege soll im Donauried eine "Biotopverbundachse" entstehen, um heimische Tierarten zu schützen. Gleichzeitig sollen Rückzugsgebiete für bedrohte Vögel auf den Wiesen entstehen. Die Projektleiter schlugen den Landwirten vor, ihre Wiesen so zu mähen, dass so genannte "Kiebitzfenster" erhalten bleiben. Dadurch könnten Brutvögel geschützt werden und die Landwirte erhielten dafür Fördergelder aus der Landschaftspflegerichtlinie.

Um die Maßnahmen koordinieren zu können, soll ab Frühjahr 2011 ein von der EU und dem Wasser- und Bodenverband Donauried finanzierter Pflegemanager eingestellt werden, der für die Landwirte und den Naturschutz Ansprechpartner ist. Der Pflegemanager soll Landwirte auch bei Anträgen zu Artenschutzzulagen unterstützen, Kontakt zum Biberberater halten und die Stauhöhen der Biberdämme überwachen.

Quelle:
Verlag: SÜDWEST PRESSE, Ulm
Publikation: SÜDWEST PRESSE - Illertal Bote
Datum: Montag, den 13. Dezember 2010